Irgendwo im Nirgendwo zwischen Sin City und Blade Runner
Ein außerordentlicher Blick auf das Vermächtnis der andauernden USBesatzung – siehe auch die rot markierte Anmerkung – im besten Deutschland aller Zeiten.
Bis auf die oberflächliche Betrachtung zu Bismarck und seines Erfolgskonzeptes, Deutsches Reich, welches 1871 im SpiegelSaal zu Versailles gegründet wurde – eine ganz andere Geschichte – treffen die beschriebenen Gegenwartsszenen im Alltag des BRDLügenSystems den Nagel auf den Kopf.
Der OriginalArtikel ist hier verlinkt.
Bleibt zu hoffen, dass er nicht irgendwann „verloren“ geht.

Herausgegeben von Stefan Korinth und Paul Schreye
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Love in Vain
Wohin rollt Deutschland? Die Anzeichen von Niedergang und Kriegsvorbereitung sind allgegenwärtig. Immer schwerer wird es, deren Ausprägungen allein mit nüchternen Analysen gerecht zu werden, wie Multipolar sie sonst veröffentlicht. Wir publizieren daher auch diesen assoziativen Essay von Wolf Reiser – eine „Bahnreise durch ein wüstes Land mit schwarzen Adern“, „befallen von einer mysteriösen Transformation“.
WOLF REISER, 15. Dezember 2025
Vor einigen Wochen kündigte Bahnchefin Evelyn Palla radikale Einschnitte an. Am Ende des McKinsey & Roadmap-Sermons drohte sie ihrer derangierten DB an, sie ruckzuck „auf links zu drehen.“ Als erstes Ergebnis der Rotation wurde dem Zaungast eine leicht beleidigte Frau Nikutta von der DB-Cargo präsentiert, obwohl diese gerade Tausende Leute entlassen hatte und zudem ein Minus von lediglich drei Milliarden vorwies; alles Bilanzen, für die man im Neuen Deutschland normalerweise für den Sanierungs-Oscar nominiert wird. Wenigstens erfuhr man nebenbei, dass die DB tatsächlich noch etwas mit dem Güterverkehr zu tun hat.
Etwa zur selben Zeit meldete sich der lange Zeit zurückhaltend agierende und allerhöchste Bahnchef Carsten Breuer zu Wort. Manche kennen den nebenberuflichen 17. Generalinspekteur der Bundeswehr noch als „Corona-General“, der über seine Gefreiten Merkel, Spahn und Wieler die Masken und Schlingen immer fester anzog und es fast schaffte, die freiwillige Impfpflicht in das Grundgesetz zu torpedieren.
Der ein wenig an den mittleren Mielke erinnernde Miles & More-Militär jagt atemlos zwischen Brüssel, Washington, Kiew, Berlin und Vilnius hin und her, um die resolut-hybriden Westwerte zu verteidigen. Dennoch schaffte es der dreifache Familienvater neulich in vollem Ornat in die Bütt des ARD-Morgenmagazin-Kabaretts. Unter dem frenetischen Jubel des greisen Studiopublikums stellte er die baldige deutsche Beteiligung an einem Dritten Weltkrieg in Aussicht. Während eine rundum verzückte Moderierende hinzufügen wollte, dass für die Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gefahr bestehe, saß der oberste Feldherr schon in seinem Leopard 2A6 zurück nach Kursk.
Sehnsucht nach der verlorenen Zeit
Ob Business oder Pleasure – wer heute einen deutschen Bahnhof betritt, wird schlagartig von einer Sehnsucht nach der verlorenen Zeit überfallen. Die Rede ist vom Lockdown, jener tiefenentspannten, sprachlosen und vermummten Kollektivmeditation, die feinere Nasen mit den Fruchtaromen des Sagrotan-Spektrums assoziieren.
Rund um den Hauptbahnhof der Olympiastadt München sieht es desolat aus. „Stadt, Müll, Tod“ würde Fassbinder sagen und „das Grauen!“ die Stimme Brandos. Doch das ist kein Kino, sondern ein multikulturelles Reality-Format. An den Randbereichen der Hallenruine halten sich die zaushaarigen Alten auf, gebeugt und gelbhäutig und meistens mit Krücken und Rollatoren ausgestattet. Überflüssig und ausgemustert starren sie auf die konfusen Vorgänge auf den Anzeigetafeln. Vor den Ticketschaltern haben sich lange Schlangen gebildet, gesäumt von Fentanyl-Zombies, monologisierenden Pennern, balkanischen Bettlern, magrebischen Pushern und gestrandeten Backpackern. Alle anderen in diesem maschinenhaften Getriebe sind an das Netz gebunden. Viele junge Leute tragen plumpige Kopfhörer und bahnen sich roboterhaft ihren Weg, den ihre hüfthoch getragenen Navigationtools empfehlen. Eventuell bieten sie auch eine Art moralischen Kompass. Auch die pickligen Bundeswehrburschen mit ihren knackvollen Rucksäcken vertrauen in gebückter Haltung ihren Verteidigungs-Apps.
Eierköpfige und gertenschlanke IT-Profis tänzeln angewidert Richtung Bahnsteig und hinterlassen Wortspikes wie „Session“, „Potentials“ „High End“ oder „Teamspirit.“ Jeder redet hier und alle fuchteln und quatschen in diesem Weißwurst-Kurdistan, Mütter, Schüler, Influencer, Aktivisten und Grauhaardackel. Es stinkt nach Gestank und ein abnormer Geräuschpegel martert. Überall Hoodies, halblange Hosen, löchrige Turnschuhe, Nasenringe und die sonstigen dumm-woken Post-Hippie-Mutationen. Im allgemeinen Mut zur Hässlichkeit fällt auch der männliche Haarschnitt ins Auge, dieser dialektische Stilmix aus Wehrmacht, Kalifat und Unterwerfung. Auf diesem Gebiet haben die muslimischen 5-Euro-Scherenschleifer ganze Arbeit bei ihren einheimischen Konkurrenten geleistet. Vor dem Barbershop drüben posieren präpotente Ehrenmänner breitbeinig wie Söder und blicken abwechselnd auf ihre Goldhandys und so manche Paare und Passanten. In ihren Blicken wohnt pure Verachtung angesichts des Konglomerats aus Gutmenschen und Gebrechlichen.
„Don’t touch me!“ zischt eine an und für sich schwer bewaffnete Bundespolizistin mit Pferdeschwanz in Richtung eines Talahons, der eine offenbar eben gestohlene Schneekugel wurfbereit hält. Ihr Streifenpartner droht, so lese ich es an seinen Lippen ab, mit einem „Wichsgriffel hoch“ und nimmt eine John Wayne-Pose ein. High Noon, Munich, Mainstation. Dramatisches Funkknacken. Sirenen. Die Rolltreppe spült eine Einheit neuer Kräfte herbei. Brüllen. Geschubse. Festnahme. An der Sperrholzwand klebt ein altes Wahlplakat der bayerischen SPD: „Hol dir deine Zukunft zurück!“ Rund um einen Abfalleimer geraten sich zwei alte Frauen wegen des Leerguts in die Haare.
Die Atmosphäre in dieser Halle ist ein Taumeln aus Verwahrlosung, Aggression, Tristesse, Resignation und Rücksichtslosigkeit, halb Spannungsfall, halb Halloween. Alarm herrscht seit Jahren schon in unseren Bahnhöfen und entlang der Schienen. Tödliche Entgleisungen, tödliche Zusammenstöße, defekte Weichen und Oberleitungen, explodierende Stellwerke, gesperrte Brücken, Messerattentate, Schlägereien, Vergewaltigungen, vollgekotzte Toiletten, bespuckte Kontrolleure, brennende Bordbistros. Anstelle des nostalgischen „Everyone talks about the weather – not us!“ sind die meisten Leute heute einfach nur froh, wenn sie relativ unbeschadet in der Nähe ihres Ziels ankommen.
„No way to slow down …“
1952 verfasste Friedrich Dürrenmatt die Kurzgeschichte „Der Tunnel.“ Auf seiner Stammstrecke bemerkt ein junger Mann, dass der Zug außergewöhnlich lange durch einen, ihm bis dato nie aufgefallenen Tunnel fährt. Er macht sich auf den Weg zur Lokomotive und stellt fest, dass weit und breit kein Führer zu sehen ist. Indessen nimmt die Geschwindigkeit ständig zu und dem Jungen wird klar, dass er und alle anderen in die Katastrophe rasen; wie später bei Jethro Tull: „God, he stole the handle, and the train, it won’t stop going, no way to slow down …“ Dürrenmatts finaler Satz damals: „Nichts. Gott ließ uns fallen und so stürzen wir denn auf ihn zu.“
Die Gegenwart muss sich mit bescheideneren Bonmots abfinden, etwa „Frieden gibt es auf jedem Friedhof“. Die Stimmung in den Bordrestaurants erinnert an rollende Aussegnungshallen. Es gibt die zwei obligaten Suffköpfe, den erwähnten IT-Eierkopf und die leicht pikierte Dame mit der offenen SZ und einer treuen LV-Neverfull-Tasche. Die restlichen leblosen Augenpaare tauchen in meerblau leuchtende Displays. Je nach Grad der Elektro-Impulse und Dopaminstösse erzucken die Gesichtsmuskeln. Dem Kopfschütteln folgt ein Ruck der Selbstbeherrschung. Nein, wir lassen uns unsere Art zu leben von niemandem nehmen. Am Nebentisch erklärt die Servicekraft die defekte Kaffeemaschine mit einem gestrigen Vorfall, spitze Gegenstände, Blut, Bundespolizei. Bei jedem Fauchen der Türen richten sich die Augen kurz auf und wollen wissen, ob da einer erscheint, schreit, sticht, spuckt oder einem das Seitenbacher-Müsli wegisst.
Konnte man einst, etwa in Richtung Augsburg diese Art von Unbehagen mit einem tröstenden Blick hinaus vertreiben, auf weidende Kühe im Herbstnebel, gelbgoldene Blätterorgien, grüne Wälder, aufgepflügte Äcker, Fachwerkhäuser, Schrebergärten und Trauerweiden, ist inzwischen die erlösende Sicht versperrt. Langsam, unmerklich und unaufhaltsam sind in den letzten Jahren Zehntausende von Betonkisten vorgerückt, lieblos kolorierte Einzellerkästen, Zementschachteln mit Schießscharten und winzigen Stahlgitterbalkonen. Sind das Depots, Büros, Außendienstlerbuden, Flatratepuffs oder geplanter Leerstand? Und wer plant, genehmigt und baut das? Wer genau wohnt oder arbeitet hier? Unser ICE „Donauwalzer“ steht seit einer gefühlten Stunde auf dem Abstellgeleis. Endlich rast aus der Gegenrichtung ein endloser Güterzug mit verschnürtem Militärgerät und dicken Fässern an uns vorbei, Richtung Kattowitz und Lviv. Wie hieß meine erste TV-Sendung noch? Hunde, wollt ihr ewig leben?
In Donaunähe werden mit für Deutschland ungewohntem Elan weitere Flachdach-Hallen und barackenartige Speditionslager erstellt. Ohne Unterlass wird Erdreich bewegt, Zement gemischt und vollbeladene Trucks schleichen durch den Morast. Überall sieht man Kräne, Bagger, Pumpen, Bohrer und Walzen. Im trüben Neonlicht gibt es Tankstellen und die Logos der Netto-, Penny- und Lidlmärkte. Ein Fitnesszentrum wirbt großflächig für ein Herbstdiscount-Paket in Sachen Selbstverteidigung.
Im Ulmer Bahnhof ist der Blick auf das Münster durch schallhemmende Mauern verdeckt. Sie sind, wie fast jede freie Fläche in diesem von einer mysteriösen Transformation befallenen Land über und über mit stimmungszermürbenden Graffities übersprüht. In ihrer expressiven Banalität erinnern diese Existenznachweise der Gegenkultur durchaus an das gesundheitspolitische Wirken von Dr. Lauterbach, dem führenden Viren- und Impfkomödianten sowie Experte für staatlich zertifiziertes Round-Up-Cannabis, eine Chemikalie, die ursprünglich als Rohrreinigungsmittel konzipiert worden war.
500 Milliarden-Schecks fallen wie Herbstblätter
Womit wir auch schon auf der schiefen Bahn Richtung Stuttgart 21 wären, an deren Ende ein mustergültiges Gruselkabinett lauert: Oettinger („We are all sitting in one boat“), Mappus, Wissmann, Grube, Mehdorn, Merkel, Kefer, Pofalla, Geissler. Sie alle umklammerten den Spaten, um diesem unterbelichteten Stuttgart einen zum Jahrtausendprojekt verklärten Tiefbahnhof in das Gedächtnis zu stechen. Dieser sollte als neue, eurozentrale Schaltstelle, als globaler Herzschrittmacher fungieren am Kreuzweg von Istanbul und Rotterdam und auch von Genua und Lissabon. Zwar würde dieser schwäbische Suezkanal mit stolzen 1,8 Milliarden Euro zu Buche schlagen, doch dafür, so die pfiffigen Gründerväter könne man ihn schon 2021 in Betrieb nehmen. Stand Oktober 2025 rechnet man mit einer partiellen Inbetriebnahme so um 2028 herum und mit Ausgaben in Höhe von etwa 14 Milliarden Euro, die laut Gericht zum größten Teil von der DB übernommen werden müssen, die wiederum, laut DB kurz vor dem finanziellen Kollaps steht. Aber was heißt heute schon Kollaps? „The Times they are a changing“ und bei den Koalitionären aller Art fallen 500 Milliarden-Schecks wie Herbstblätter in die Container. Noch im Sommer 2015 ließen sich die Wüstenrot-Wutbürger nicht so leicht abwimmeln: Wieso dauert das so lange? Wohin versickert das ganze Geld? Was machen die da oben aus unserer Schwäbischen Eisenbahn?
Ganz da oben im Kanzlerthron saß eine glühende Europäerin und richtete ihre kalten Kulleraugen auf das Geschehen im überfüllten Budapester Bahnhof. Hier musste „sofort, unverzüglich“ gehandelt werden und mit einem Knopfdruck wurden die Weichen auf ungebremsten Zulauf gestellt. Zug nach Zug rollte heran und gab den Millionenopfern der NATO-Farbrevolutionen eine neue Heimat. Ein Großteil der schwäbischen Streetfighter leiteten ihre Zweifel angesichts des „Gefahrguts“ ungefiltert in die Katharsis der Willkommenskultur um und redeten sich ein, man würde solidarisch vom Ende her denken, irgendwie.
Am folgenden Tag fuhr der Zug über Karlsruhe nach Baden-Baden auf die Minute pünktlich ab. Das Bistro war blitzblank gefegt, im Hintergrund lief die „Zauberflöte“ und es duftete nach frischem Kaffee und Butter-Croissants. Ich erkundigte mich bei der Bordstewardess nach dem Grund dieses Rückfalls in alte Gewohnheiten. „Ach, wissen Sie, dieser Zug endet in Basel und wenn er dort nicht punktgenau und halbwegs vorzeigbar anrollt, gehen an der Grenze einfach die Gatter herunter.“ So geht man auf kluge Art mit Schurkenstaaten um, dachte ich mir.
Da auch das Wlan funktionierte, gelangte ich aus irgendeinem Grund auf die Homepage von Roderich Kiesewetter, der auf spektakuläre Art meinen Ostalb-Heimatwahlkreis in Berlin am Köcheln hält. Ein Küchenfoto zeigt ihn nebst Gattin beim Paprikaschneiden und dem Motto: „Als evangelischer Christ liegt mir die Bewahrung der Schöpfung am Herzen.“ Womöglich ist weit unterhalb des Hauses sogar ein Extrabahnhof für ihn eingerichtet auf dem von einigen Verschwörungstheoretikern behaupteten High-Speed-Subway, der Wiesbaden, Ramstein und Stuttgart unsichtbar verbinden soll.
Immerhin befinden sich bei Vaihingen die Patch Barracks, also das EU-Hauptquartier der NSA und die Euro-Zentrale aller US-Kräfte sowie aller militärischen Spezialeinheiten. Rund um die Basis herum, lese ich, haben sich in letzter Zeit sehr viele regionale High-Tech-Tüftler-Firmen aus Luft- und Raumfahrt angesiedelt und scheinen ihre Produktpaletten nach und nach umzurüsten. In den nahen Möhringer Kelley Baracks sind mehr als 30.000 US-Kombattierende stationiert. Sogar die stets NATO-affine Stuttgarter Presse moniert, dass sämtliche Anfragen zu Sinn und Zweck des Camps seit Jahrzehnten im Winde verwehen. Im hessischen Wiesbaden wurde 2022 die Koordinierungszentrale des Ukrainekriegs etabliert und seit 2024 mehr oder weniger zu dem offiziellen Kriegsministerium gegen Russland ausgebaut, wie sich Frau Baerbock zutreffend verplapperte. 31 NATO-Mitgliedsstaaten sorgen jährlich mit Milliarden dafür, dass diese Bude in Schwung gehalten wird. Und zur Air Base Ramstein ist ohnehin alles gesagt, obwohl niemand etwas Genaues weiß, außer dass man gut beraten ist, dort am Zaun keine Selfies zu machen.
(Achtung: Hier erlaube ich mir einen Hinweis auf das SHAEF(SupremeHeadquatersAlliedExpeditionaryForce)Symbol im Hintergrund des Bildes im verlinkten Artikel. Das Bild mit dem Kriegsverbrecher Selenskji ist sozusagen ein Schlag in die maskierte VasallenVisage des DeutschenDoofMichels und macht deutlich, wer in D das Sagen hat.)
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Man wird beim Surfen immer wieder von überraschenden Wellen erwischt, wie etwa jene in Form eines militärischen Neubaus in der Nähe des pfälzischen Betzenbergs, bei Ballfreunden auch als rote Hölle bekannt. Das dortige US-Armeehospital Rhine Ordnance Barracks ist das flächenmäßig größte Krankenhaus außerhalb der USA. Von den im Bauplan angegebenen 5.000 Räumen erwiesen sich nach gründlichem Studium nur 200 davon als mit Betten und medizinischem Equipment ausgestattet. Nimmt man den aus Steuermitteln gestemmten Etat, legt inklusive neuer Straßen, Brücken und Tiefetagen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro als Maßstab an, schlägt jedes Krankenzimmer mit gut 10 Millionen zu Buche. Man muss ja nicht gleich die Iran-Contra-Keule schwingen, aber so eine Hütte kann man günstiger haben. Doch wir leben in Zeiten, in denen Paläste den Hütten den Krieg erklären.
Der Lack ist ab
Im Gegensatz zur Zarin Katharina II., die sich 1787 von Fürst Potemkin auf der Krim die optischen Täuschungen prächtiger Kulissen vorführen ließ, macht man sich im Deutschland 2025 nicht mehr die geringste Mühe, das Elend der Stadt- und Landbilder zu vertuschen. Der Lack ist ab und da helfen auch keine Projektionen irgendwelcher Zig-Milliarden-Sondervermögen. Im Bahnhof des legendären Kurorts Baden-Baden erwartet einen das obligate Grauen, Dreck, Halbstarke, Graffities, defekte Lifte, zerbrochene Fenster, verrammelte Geschäfte. Es fehlt nur noch der Duft von Napalm.
Im Juli ordnete Dr. Bruno Most, Brigadegeneral des Gesundheitswesens der Bundeswehr wem auch immer an, sofort, unverzüglich alte Züge in ambulante Waggons umzurüsten, um so Zehntausenden von Verwundeten oder Toten ein Dach über den Kopf zu bieten. Auch sei man mit Lufthansa, der DHL und dem Bahnvorstand in der Planung, um so schnell und so viel wie möglich an ankommenden NATO-Truppen und schwerem Gerät an die Ostfront zu befördern. Während Pistorius den seriellen Kasernenbau ankündigt und sich in täglichen Bulletins militärphilosophisch dem Ritual des freiwilligen Opfers annimmt, mogeln sich, mittelmäßig abgestimmt seltsame Fachleute oder Ex-Generäle an den Bühnenrand und verschieben den Kreuzzug von 2029 nach 2028, dann 2027 und erhöhen kurz darauf auf 2026. Kürzlich wusste Eberhard Zorn, Militärexperte für Aufbruchsstimmungen aller Art, dass das Ganze aber auch schon heute Abend losgehen könnte, frei nach Gimmie Shelter, Stones, 1969, „War, children, is just a shot away, rape, murder…shot away.“
Aber das alles verfängt noch nicht so richtig. Die Leute gehen millionenfach in Vereinsfarben in die Stadien, buchen für kommenden Sommer die geliebten Balearen platt und wählen immer wieder genau so, wie das der Begriff Stimmvieh nahelegt. Derweil lässt Herr Tiesler, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz landesweit für 25 Milliarden Euro im Jahr Bunkerräume für eine Million Schutzsuchender in Schienen- und Bahnhofsnähe ausbauen, mit einem Quadratmeter pro Person und Vorrat für 14 Tage mit Notküchen, Toiletten, Wasserpumpen, Strom und Luftreinigung. Mit diesen chirurgischen Eingriffen ins Stadtbild ließen sich auch die Hunderttausende, rotweiß abgesperrte Baustellen erklären, auf denen man fast nie einen Werktätigen sieht, aber dafür jede Menge Dixie-Klohäuser. Beim Weitersurfen stieß ich auf einen kleinen Artikel in einer donauschwäbischen Lokalzeitung und fand eine plausible Erklärung für den Wildwuchs dieser Zementschachteln. Ganz offenkundig werden die ohnehin insolventen Kommunen genötigt, schienennahe Grundstücke und bestehende Objekte oder Bauruinen aufzukaufen, damit dort im Schnellverfahren neue Einsatzzentralen, Lager- und Fertigungshallen, Bunker und Logistikgebäude erstellt werden. Um die Bevölkerung nicht zu verunsichern, empfiehlt man den beauftragen Maklern, als „Head of Industrial and Logistics“ zu agieren.
„No way to slow down …“ Seit wann genau hat der große transsibirische Zug eigentlich schon Fahrt aufgenommen? 2005? 2015? 2022? Ab wann setzte der Zugriff einer mächtigen unsichtbaren Hand auf das Netzwesen ein? Unsere nationale Märklinbahn rollt derweil in selbstgeschaufelte Löcher. Die Bahnhöfe Stuttgart und München werden absolute Megadesaster; ausgehebelt derzeit sind die Strecken Hamburg-Berlin, Mannheim-Frankfurt, Freiburg-Offenbach als Teil von Basel-Karlsruhe sowie der Brennernordzulauf. Täglich werden neue Strecken abgemeldet und pro Jahr kommt man lässig auf 200.000 ausgefallene Züge. Dass es auch anders geht, konnte man bei der logistischen Verlegung der Panzerbrigade 45 nach Litauen innerhalb der angesetzten sechs Wochen erfahren. Dort, rund um Vilnius, fühlten sich auch schon 1941 die SS-Divisionen ganz wie zuhause. Positives Feedback gibt’s auch von der Cargostrecke zwischen Berlin und Rotterdam. Im dortigen Hafen sind für unbefristete Zeit ganze Blöcke von Anlegestellen für Versorgungsschiffe aus der USA, UK und Canada reserviert … „no way to slow down …“
Neuprogrammierung des großen Fahrplans
Angesichts der Zustände von Flug- und Wasserhäfen, Brücken, Straßen, Schienen, Schulen, Unis, Wohnungen, Industrien, Politik, Medien und des Energiesektors kann ein vernunftbegabter Beobachter nur zu dem einen Schluß kommen, dass Renovation und Reparation ausbleiben, weil es in absehbarer Zeit noch schlimmer kommen wird und es hier bald ohnehin aussieht wie in Gaza. Wer jetzt den Kopf schüttelt, mag sich an den Davoser Zauberberg erinnern, von dem aus Klaus Schwabs WEF-Talentschuppenmeute, von Blair, Charles, Baerbock, Fink, Gates über Merkel, Trudeau, Kallas, Macron bis zu Leyen jahrelang mit echsenhaftem Grinsen die Zukunft verkündete: „The Great Reset“ und „Built Back Better.“ Niemand kann behaupten, dass die Löschung wie Neuprogrammierung des großen Fahrplans unserer sogenannten Zivilisation im Geheimen betrieben wurde.
Rückfahrt. Das gleiche Bild, nur von der anderen Seite. Die Bar im Bistro ist seit Ulm vergittert. Blackout. Flasche leer. „Vor drei Wochen wurden drüben die Gundremminger Kühltürme entsorgt“, sagt ein schwäbischer Eingeborener „und da standen im strömenden Regen an die 30.000 Deppen in der Gegend herum. Es gab sogar einen Foodtruck, der ein Paar Sprengwürste mit Senf angeboten hat. Alle in Superstimmung, hoch die Tassen, wie beim Weihnachtsmarkt. In diesem Land ist der Zug endgültig abgefahren.“
Eine Durchsage erklärt die aktuelle Verzögerung mit Lebewesen, die sich auf den Schienen befänden. Zeit zur Reflektion. War, just a shot away. Wo sind eigentlich die Abermillionen Zeichensetzer, Stimmenerheber und Unseredemokratie-hochhalter? Die schlaflosen Omas, Antifa-Kids, Klimakleber, Arbeiter, Studierende und vor allem die mehrfach Geimpften? Where are the clowns? Send in the clowns! Alles vergessen? Friede, Brecht, Gleichheit, Zweig, Woodstock, Liebe, Böll, Braterski, Picasso, Grass, Schwerter, Jesus, Pflugscharen, Remarque, Brandt, Rinser, Che, Freiheit, Fidel, Imagine-John und Plastic Ono? Es begann mit 5.000 Helmen und zum dritten Mal in etwas mehr als einem Jahrhundert zieht es die Deutschen weitgehend frei und willig in die magische Ostfalle mit den Parametern Krim, Kursk, Leningrad. Das Deja-Vu erinnert an Karl Marx und die Wiederholung der Geschichte als Farce. Im Osten steht der imaginierte nukleare Untermensch, im sonstigen Europa warten Verrat und Häme, während die transatlantischen Sportsfreunde aus dem Zbginiew Brzeszinski-Stall ein paar Bauern opfern und gedanklich in weiter Zukunft walten. Am Ende der Verwertungskette Wallstreet, London und Brüssel bleibt die Funktion als Schlachtfeld und Aufmarschgebiet.
Es scheint tief in der Nationalpsyche verankert zu sein, dass wir immer wieder aufs Neue von Menschen geführt werden, die eine arrogante, neokoloniale Großmannssucht zur Schau stellen. Ob Wilhelm II. und Bismarck, Papen und Hindenburg bis zu Habeck und Merz haben wir da Typen, die im Gestus halbgarer Studienräte uns allen und der restlichen Welt Moral und Richtung vorgeben. Womöglich beginnt die Wahnspirale aus Euphorie und Depression in der absurden Reichskonstruktion von 1870 und prägte danach von diversen Schuldtraumen begleitet diesen zwanghaften Charakter, dem eine echte Identität fehlt und der deswegen zu Konformismus und beschämender Verzwergung neigt. Und dagegen können auch die besten Kopfhörer und Apps nichts ausrichten. „The blue light was my baby and the red light was my mind …“
Bahnhof Günzburg am späten Abend. Donaunebel in Mengeles Heimatstadt. Junge Männer mit großen Kapuzen chillen am Bahnsteig. Die Zeiger der großen Uhr sind herausgerissen. Vor der Spielhalle sieht man im Neonflackern zwei alleinstehende Kinderfrauen.
Vielleicht wird aber nicht nur die Bahn, sondern demnächst gleich das ganze Land auf links gedreht. Und wenn sich die giftigen Wolken dann in ein paar Jahren oder Jahrzehnten verzogen haben, dann besuchen uns vielleicht Griechen, Russen und Kenianer und Vietnamesen mit einem Lonely Planet-Guide unterm Arm, machen Selfies von der Feldarbeit einfacher Bauern, von germano-arkadischen Ziegenhirten, dem Gastwirt eines fröhlichen Weinbergs und dem gemeinsamen De-Tox-Übernachten im dörflichen Misthaufen, ganz so wie es sich für ein hochentwickeltes Degrowth-Vorzeigeland gehört.
Über den Autor: Wolf Reiser, Jahrgang 1955, ist Reporter und Essayist. Er veröffentlichte Portraits, Kolumnen, Interviews, Short Stories und Reportagen unter anderem für Lettre, Du, Zeit, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Cicero, Playboy, Brandeins, Welt, Madame, Vogue und Rolling Stone. Reiser ist außerdem Autor von Drehbüchern, Hörspielen und Reisebänden. Sein Essay „Freiwild – über Zähmung, Verwahrlosung und Niedergang des Journalismus“ wurde 2015 für den Michael Althen-Preis nominiert. Erzählungen über Cohen auf Hydra, Jarrett in Köln, den Eros der Düfte und den Wahn des Ouzo finden sich in den vier Lettre-Ausgaben des Jahres 2025. Er wohnt nahe des Münchener Hauptbahnhofs.

